MÖBEL DESIGN – Roentgen,  Thonet und  die  Moderne

Letzte Führungen am 03. und 04. September!

<p>Abraham Roentgen<br/ >Gemälde von Johannes Juncker,<br/ >1772, Öl auf Leinwand<br/ >Roentgen Museum Neuwied<br/ ></p>

Im Jahr 2011 jährt sich zum 300. Mal der Geburtstag eines der bedeutendsten deutschen Möbelkünstler seiner Zeit, Abraham Roentgen (1711 – 1793). Am 30. Januar 1711 wird er als Sohn des Schreiners Gottfried Roentgen in (Köln-)Mülheim geboren. Die von ihm gegründete, seit 1750 in Neuwied ansässige Manufaktur entwickelt sich vor allem unter seinem Sohn David zur erfolgreichsten und innovativsten Möbelmanufaktur Europas in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Abraham Roentgen verwendet edelste Materialien und kostbare, kunstvolle Marketerien (Einlegearbeiten). Seine mit raffinierten Mechaniken ausgestatteten Möbelstücke werden so zu begehrten und teuer bezahlten Luxuswaren. Zu seinen bedeutendsten Kunden zählt der Trierer Erzbischof und Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff sowie Fürst Friedrich Alexander zu Wied-Neuwied. Sohn David Roentgen liefert seine Möbel an die europäischen Fürstenhöfe zwischen Paris und St. Petersburg.

<p>Michael Thonet und Söhne, zwischen 1863 und 1867<br/ >Abbildung aus Heller<br/ >© Archiv Thillmann

Nur wenige Kilometer von Neuwied entfernt gründet Michael Thonet (1796 – 1871) in Boppard 1819 im Alter von nur 23 Jahren seine erste Schreinerwerkstatt. Er erfindet ein neues und innovatives Verfahren – die Schichtholzverleimung –, das es ihm erlaubt, seine Möbel in größerer Stückzahl und damit kostengünstiger als die Konkurrenz anbieten zu können. Finanzielle Schwierigkeiten und eine Empfehlung des österreichischen Staatskanzlers Clemens Fürst Metternich veranlassen ihn, 1842 nach Wien zu gehen. Zu seinen Kunden gehört dort anfangs der österreichische Hochadel, für den er Luxusmöbel und Parkettböden herstellt. Daneben arbeitet er konsequent weiter an der Verbesserung seiner innovativen Herstellungstechnik und ist schließlich in der Lage, Holz massiv zu biegen. 1856 beginnt die massenhafte Produktion von Möbeln in der ersten Fabrik der Thonets in Koritschan / Mähren; 1859 entsteht dort der berühmte Kaffeehausstuhl, die Nr. 14.

In den 1920er Jahren macht das Stahlrohr dem Bugholzmöbel Konkurrenz. Architekten wie Marcel Breuer, Le Corbusier oder Mies van der Rohe entwerfen kühne Möbel für eine neue Gesellschaft. In Skandinavien greift Alvar Aalto in den 1930er Jahren auf ein Verfahren Michael Thonets zurück und kombiniert aus Schichtholz verleimte Teile mit solchen aus Sperrholz. Die gleichen Techniken nutzen Ray / Charles Eames in den USA in den 1940er Jahren.
Arne Jacobsen entwirft und baut in den 1950er Jahren Stühle mit Sitzschalen aus Sperrholz und Beinen aus Rundstahl. Die 1960er Jahre gehören dem Kunststoff: Verner Panton baut den ersten Freischwinger aus diesem Material.

All diese Möbel gehören heute zu den »modernen Klassikern« und konkurrieren mit aktuellem Design. Stadt und Landkreis Neuwied erinnern im Jahre 2011 mit einer im Roentgen-Museum und in der Städtischen Galerie Mennonitenkirche präsentierten Ausstellung an den 300. Geburtstag Abraham Roentgens. Rund 100 Leihgaben aus bedeutenden Museen und Privatsammlungen werden die Entwicklung der Möbelkunst und des Möbeldesigns vom 18. Jahrhundert bis in die Moderne nachzeichnen.

So zeigt die Ausstellung im Roentgen-Museum eine Reihe bisher noch nie präsentierter Möbel der Neuwieder Manufaktur, vor allem von Abraham Roentgen, sowie frühe Thonet-Möbel aus der Bopparder und Wiener Zeit – erstmals auch einen Parkettboden.
Im zweiten Teil der Ausstellung wird in der Städtischen Galerie Mennonitenkirche an dem Beispiel des Designs von Sitzmöbeln eine Übersicht der Möglichkeiten des Biegens von Holz über Stahlrohr bis hin zu dem Verformen von Sperrholz und Kunststoff präsentiert. Es werden Entwürfe gezeigt, die nicht in erster Linie handwerklichen Traditionen verpflichtet sind, sondern deren Schönheit in ihrer strukturellen Klarheit und Einfachheit liegt, die sich unmittelbar aus dem industriellen Fertigungsprozess ergibt und ihn nicht leugnet.

Im Rahmen der Ausstellung wird an verschiedenen Orten in der Stadt Neuwied zeitgenössisches und aktuelles Design von Studierenden deutscher Fachhochschulen und Hochschulen präsentiert werden. Leihgaben u. a. aus London, New York, Wien sowie Hamburg, Karlsruhe, Mannheim und zahlreichen bedeutenden belgischen, österreichischen und deutschen Privatsammlungen. Schirmherr Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz

Die Ausstellung wird unterstützt von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, Stiftung für Kunst und Kultur der Sparkasse Neuwied, Ernst von Siemens Kunststiftung, Rudolf-August Oetker Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege, Stiftung der Rheinland-Pfalz Bank, Stadt und Landkreis Neuwied.